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Body Condition Score beim Pferd bestimmen: So beurteilst du den BCS richtig

  • tierphysio-eck
  • 10. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Der Body Condition Score beim Pferd, kurz BCS, ist eine bewährte Methode, um den Ernährungszustand deines Pferdes einzuschätzen. Er hilft dir zu erkennen, ob dein Pferd eher zu dünn, im Idealbereich oder zu dick ist. Genau das ist wichtig, denn sowohl Untergewicht als auch Übergewicht können die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und den Bewegungsapparat deines Pferdes beeinflussen.


Der BCS nach Schramme wird auf einer Skala von 1 bis 9 beurteilt: von mager bis fett.

Außerdem sollte ein BCS über 7 aus gesundheitlichen Gründen vermieden werden.


In diesem Beitrag erfährst du nicht nur, was der BCS ist, sondern vor allem wie du ihn praktisch selbst bestimmen kannst.


Was ist der Body Condition Score beim Pferd?


Der Body Condition Score beschreibt den Körper- und Fettzustand eines Pferdes. Im Handout wird der BCS als Einordnung in Untergewicht, Idealgewicht oder Übergewicht beschrieben. Bewertet werden dabei sechs Körperregionen: Hals, Schulter, Rücken und Kruppe, Brustwand, Hüfte und Schweifansatz. Anschließend kann aus den Einzelbewertungen ein Mittelwert gebildet werden.


Die Skala sieht dabei so aus:

  • 1 = unterernährt

  • 2 = sehr mager

  • 3 = mager

  • 4 = schlank

  • 5 = optimal

  • 6 = rundlich

  • 7 = dick

  • 8 = fett

  • 9 = adipös


Warum ist die BCS-Beurteilung so wichtig?


Viele Pferdebesitzer verschätzen sich beim eigenen Pferd. Gerade leichtfuttrige Pferde, Ponys oder robuste Rassen wirken schnell „normal“, obwohl bereits zu viele Fettdepots vorhanden sind. Umgekehrt können ältere Pferde, kranke Pferde oder Pferde im Muskelabbau zu schlank erscheinen.


Body Condition Score beim Pferd bestimmen: Schritt-für-Schritt-Anleitung


Damit du den BCS beim Pferd richtig bestimmen kannst, gehst du am besten immer nach demselben Schema vor.


1. Stelle dein Pferd gerade und entspannt hin

Beurteile dein Pferd auf ebenem Boden im ruhigen Stand. Idealerweise schaust du es dir von der Seite und schräg von hinten an. Wichtig: Ein langes Winterfell kann die Einschätzung erschweren. Daher ist Punkt 2 auch sehr wichtig;


2. Beurteile nicht nur optisch, sondern auch mit den Händen

Eine zentrale Fragestellung lautet: Kann ich Knochenpunkte sehen, fühlen oder sind sie "verschwunden"? Dabei helfen diese allgemeinen Regeln:


  • mager: Knochenpunkte sind deutlich sichtbar und fühlbar

  • ideal: Knochenpunkte sind kaum sichtbar (ggf. Zu erahnen), aber gut fühlbar

  • fett: Knochenpunkte sind weder sichtbar noch fühlbar


Zusätzlich kannst du auf die Körperoberfläche achten:

  • mager: eher eingefallen

  • ideal: eher gerade

  • fett: eher gewölbt


3. Beurteile die sechs Körperregionen einzeln


Die 6 BCS-Körperregionen beim Pferd


1. Hals beurteilen

Am Hals wird vor allem auf folgende Punkte geachtet:

  • Nackenband / Kammfett

  • Halswirbelsäule

  • Körperoberfläche

  • Axthieb am Übergang zum Widerrist


Worauf du achten solltest:

  • Ist die Halswirbelsäule deutlich sichtbar oder fühlbar, spricht das eher für einen niedrigen BCS.

  • Ist der Hals harmonisch und glatt, ohne harte oder dicke Fettpolster, liegt er eher im mittleren Bereich.

  • Ist das Kammfett deutlich ausgeprägt, spricht das für Übergewicht.

  • Orientierungswert: 4 cm Kammfett entsprechen etwa Score 4, 5 cm etwa Score 5.

  • Wichtig ist außerdem der Hinweis: Vorsicht bei Friesen, da die Halsform rassebedingt täuschen kann.


2. Schulter beurteilen

Im Schulterbereich achten wir auf das Schulterblatt und die Körperoberfläche.

Frage dich:


  • Sind Knochengräten des Schulterblatts sichtbar oder gut tastbar?

  • Wirkt die Schulter eher eingefallen, gerade oder gewölbt?


Eine sichtbare und scharf abgesetzte Schulter spricht eher für einen niedrigen BCS. Eine weich gepolsterte, rundliche Schulter spricht eher für einen höheren BCS. Im Idealbereich ist die Schulter nicht knochig hervortretend, aber noch gut abgrenzbar.



3. Rücken und Kruppe beurteilen

Drei wichtige Prüfpunkte:

  • Dornfortsätze und Querfortsätze

  • Körperoberfläche

  • „Hand auflegen“


So gehst du vor:

  • Lege deine flache Hand auf Rücken und Kruppe.

  • Prüfe, ob die Oberlinie eingefallen, gerade oder gewölbt ist.

  • Sind die knöchernen Strukturen deutlich sichtbar oder fühlbar, spricht das eher für ein zu mageres Pferd.

  • Wirkt der Rücken weich, rund und gewölbt, kann das für Fettauflagerungen sprechen.


Im Idealbereich wirkt die Oberlinie insgesamt eher gerade, ohne stark hervorstehende Knochen, aber auch ohne deutliche Fettwölbung.



4. Brustwand beurteilen

An der Brustwand geht es vor allem um die Rippen.


Das ist einer der wichtigsten Bereiche für die Einschätzung:

  • sichtbar = eher zu dünn

  • fühlbar, aber nicht sichtbar = ideal

  • kaum oder nicht fühlbar = eher zu dick


Genau dieser Bereich ist im Alltag oft besonders hilfreich. Viele Pferde mit Übergewicht zeigen hier deutlich, dass die Rippen kaum noch tastbar sind.



5. Hüfte beurteilen

Im Bereich der Hüfte beurteilst du:

  • Hüfthöcker

  • Sitzbeinhöcker

  • Kreuzhöcker

  • Hungergrube


Worauf du achten solltest:

  • Sind die Knochenpunkte sehr deutlich sichtbar oder scharf tastbar, spricht das eher für einen niedrigen BCS.

  • Im Idealbereich sind sie nicht stark sichtbar, aber noch gut tastbar.

  • Bei Übergewicht verschwinden diese Strukturen zunehmend unter dem Fettgewebe.

  • Auch die Hungergrube liefert Hinweise: Ist sie sehr deutlich ausgeprägt, kann das auf einen eher schlanken Zustand hindeuten.


6. Schweifansatz beurteilen

Am Schweifansatz wird die Linie vom Sitzbeinhöcker zum Schwanzwirbel beurteilt.

Dabei gilt:

  • eingefallen = eher mager

  • gerade = eher ideal

  • gewölbt = eher zu viel Fettgewebe


Gerade hier lagern viele Pferde gut tastbare Fettdepots ein. De

shalb ist dieser Bereich sehr wichtig, um verstecktes Übergewicht zu erkennen.



So vergibst du den BCS-Score

Wenn du alle sechs Regionen beurteilt hast, vergibst du für jede Region einen Wert auf der Skala von 1 bis 9. Anschließend kannst du den Mittelwert bilden.


Für die praktische Einordnung kannst du dir merken:

  • BCS 1–3: zu mager bis stark abgemagert

  • BCS 4–5: häufig guter bis idealer Bereich

  • BCS 6: eher rundlich

  • ab BCS 7: kritisch, gesundheitlich relevant


Veränderungen dokumentieren

Wenn du monatlich bzw. Regelmäßig kontrollierst, notiere dir den Wert und fertige Bilder an. So erkennst du Unterschiede und die Entwicklung deutlich besser.


Fazit: Der BCS ist ein wertvolles Werkzeug im Pferdealltag

Der Body Condition Score beim Pferd ist eine praktische und alltagstaugliche Methode, um den Ernährungszustand realistisch einzuschätzen. Entscheidend ist, dass du nicht nur einen Gesamteindruck bewertest, sondern systematisch die genannten Körperregionen prüfst.



 
 
 

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