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Magenerkrankungen beim Pferd - Ursachen, Symptome, Behandlung und sinnvolle Unterstützung

  • tierphysio-eck
  • 2. Mai
  • 6 Min. Lesezeit

Magenerkrankungen beim Pferd sind leider keine Seltenheit. Viele Pferde leiden still unter Magenproblemen, ohne dass diese sofort erkannt werden. Besonders Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre beim Pferd kommen deutlich häufiger vor, als viele Pferdebesitzer vermuten. Das liegt vor allem daran, dass der Pferdemagen sehr empfindlich ist und moderne Haltungs- und Fütterungsbedingungen oft nicht mehr dem natürlichen Bedarf des Pferdes entsprechen.


In diesem Beitrag erfährst du, warum Pferde so anfällig für Magenerkrankungen sind, welche Symptome auftreten können, wie die Diagnostik und schulmedizinische Therapie aussehen und was du als Besitzer vorbeugend und unterstützend tun kannst.


Warum sind Pferde so anfällig für Magenerkrankungen?

Der Pferdemagen ist von Natur aus auf eine nahezu kontinuierliche Futteraufnahme ausgelegt. In freier Wildbahn verbringen Pferde viele Stunden täglich mit der Aufnahme von rohfaserreichem Futter. Dabei wird dauerhaft Speichel produziert, der die Magensäure teilweise puffert. Genau hier liegt einer der wichtigsten Punkte:


1. Der Pferdemagen produziert ständig Magensäure

Im Gegensatz zum Menschen produziert der Magen des Pferdes fortlaufend Magensäure - auch dann, wenn gerade kein Futter aufgenommen wird. Gibt es längere Fresspausen (als Faustregel sagt man maximum 4 Stunden), fehlt der schützende Puffer durch Speichel und Futterbrei. Die empfindlichen Bereiche des Magens können dann gereizt werden.


2. Der Magen des Pferdes ist empfindlich aufgebaut

Der Pferdemagen besitzt unterschiedliche Schleimhautbereiche. Nicht alle sind gleich gut vor Säure geschützt. Vor allem die drüsenlose Schleimhaut ist empfindlich gegenüber zu viel Säurekontakt. Dadurch können sich Entzündungen und später auch Magengeschwüre beim Pferd entwickeln.


3. Haltung und Management spielen eine große Rolle

Viele heute übliche Bedingungen belasten den Magen zusätzlich, zum Beispiel:

  • lange Fresspausen

  • große Kraftfuttermengen

  • zu wenig Raufutter

  • Stress in der Herde

  • häufige Transporte

  • intensives Training

  • Boxenhaltung mit wenig freier Bewegung

  • Schmerzen oder andere Grunderkrankungen

  • bestimmte Medikamente, vor allem einige Schmerzmittel


Der Pferdemagen ist also nicht „schwach“, sondern schlicht für ein anderes Lebensmodell gemacht als das, was viele Pferde heute erleben.



Welche Symptome können bei Magenproblemen auftreten?

Die Symptome von Magenerkrankungen beim Pferd sind oft unspezifisch. Genau deshalb bleiben sie häufig lange unentdeckt. Nicht jedes Pferd zeigt deutlich, dass etwas nicht stimmt.


Mögliche Anzeichen sind zum Beispiel:

  • wiederkehrende Kolikanzeichen, vor allem mild oder nach dem Fressen

  • schlechtes oder wählerisches Fressverhalten

  • langsames Fressen

  • häufiges Unterbrechen beim Fressen

  • Gewichtsverlust oder Schwierigkeiten beim Auffüttern

  • stumpfes Fell und reduzierter Allgemeinzustand

  • Leistungsabfall

  • Unwilligkeit unter dem Sattel

  • Verspannungen, besonders im Rücken- und Bauchbereich

  • Zähneknirschen

  • Gähnen

  • Flehmen

  • häufiges Liegen

  • Nervosität oder Gereiztheit

  • Berührungsempfindlichkeit im seitlichen Bauchbereich

  • Kotveränderungen

  • Maulgeruch

  • Leerkauen

  • Schmerzanzeichen nach dem Trinken von kaltem Wasser


Gerade bei Sportpferden werden Magenprobleme oft zunächst als „Unrittigkeit“, Widersetzlichkeit oder Trainingsproblem fehlinterpretiert. Dabei kann ein gereizter oder schmerzhafter Magen der eigentliche Auslöser sein.


Wie kannst du Magenerkrankungen beim Pferd vorbeugen?

Eine gute Vorbeugung ist bei Magengeschwüren und Magenentzündungen beim Pferd besonders wichtig. Viele Risikofaktoren lassen sich im Alltag positiv beeinflussen.


Ausreichend Raufutter

Das A und O für einen gesunden Pferdemagen ist eine möglichst konstante Versorgung mit hochwertigem Raufutter. Lange Fresspausen sollten vermieden werden. Heu unterstützt die Speichelbildung und damit die natürliche Pufferung der Magensäure.


Fresspausen vermeiden

Ein Pferd darf nicht über viele Stunden ohne Futter stehen. Gerade nachts oder auf abgefressenen Weiden können zu große Pausen auftreten.


Kraftfutter kritisch prüfen

Große Mengen stärkehaltigen Kraftfutters können den Magen belasten. Hier lohnt sich ein genauer Blick: Braucht das Pferd diese Menge wirklich? Oft hilft es, Kraftfutter zu reduzieren, aufzuteilen oder durch besser verträgliche Alternativen zu ersetzen. Außerdem gilt es, Kraftfutter erst nach der Heugabe zu füttern.


Stress minimieren

Stress ist ein bedeutender Faktor bei Magenerkrankungen beim Pferd. Dazu gehören nicht nur Transporte oder Turniere, sondern auch:

  • sozialer Stress in der Herde

  • Futterneid

  • unpassende Haltungsbedingungen

  • Schmerzen

  • Überforderung im Training oder stark einseitiges Training

  • zu wenig Ruhephasen


Futter vor dem Reiten

Bei empfindlichen Pferden kann es sinnvoll sein, vor dem Training etwas Heu zu füttern. So ist der Magen nicht komplett leer, und die Säure kann weniger stark auf empfindliche Schleimhautbereiche einwirken.


Schmerzen ernst nehmen

Chronische Schmerzen, zum Beispiel im Bewegungsapparat, können Stress verursachen und Magenprobleme begünstigen. Hier kann eine ganzheitliche Betrachtung sinnvoll sein.


Wie wird eine Magenerkrankung beim Pferd diagnostiziert?

Wenn der Verdacht auf Magenprobleme beim Pferd besteht, sollte dies tierärztlich abgeklärt werden. Symptome allein reichen nicht aus, um sicher zwischen Magenproblemen und anderen Ursachen zu unterscheiden.


Klinische Einschätzung

Zunächst wird der Tierarzt die Vorgeschichte, die Haltung, Fütterung, das Verhalten und die Symptome des Pferdes beurteilen.


Gastroskopie

Die Gastroskopie ist die wichtigste und zuverlässigste Methode, um Magengeschwüre beim Pferd sicher festzustellen. Dabei wird der Magen mit einem Endoskop untersucht. So kann die Schleimhaut direkt betrachtet und beurteilt werden.


Nur durch diese Untersuchung lässt sich genau erkennen:

  • ob Magenschleimhautveränderungen vorliegen

  • an welcher Stelle sie sitzen

  • wie stark sie ausgeprägt sind


Das ist wichtig, weil nicht jede Form von Magenproblem gleich behandelt wird.


Wie sieht die schulmedizinische Therapie aus?

Die schulmedizinische Behandlung richtet sich nach der Diagnose und dem Ausmaß der Veränderungen. In vielen Fällen werden Medikamente eingesetzt, die die Magensäure reduzieren und der Schleimhaut Zeit zur Regeneration geben.


Häufige Bestandteile der Therapie:

  • säurereduzierende Medikamente

  • Anpassung von Fütterung und Management

  • Reduktion von Stressfaktoren

  • Behandlung möglicher Grunderkrankungen

  • Trainingsanpassung, wenn nötig


Wichtig ist: Nur Medikamente zu geben reicht meist nicht aus, wenn die Ursachen im Alltag bestehen bleiben. Ohne Veränderungen im Management kann das Problem schnell wiederkehren.


Was kannst du als Besitzer unterstützend tun?

Neben der tierärztlichen Behandlung kannst du dein Pferd durch ein magenfreundliches Management sehr sinnvoll unterstützen. Genau hier liegt oft der Schlüssel für eine nachhaltige Verbesserung.


1. Raufutterversorgung optimieren

Eine gute, konstante Versorgung mit Heu ist eine der wichtigsten Maßnahmen. Ziel ist es, den Magen möglichst nie über lange Zeit leer werden zu lassen.


2. Fütterung insgesamt überprüfen

Es lohnt sich, die gesamte Ration kritisch anzuschauen:

  • Passt die Futtermenge zum Bedarf?

  • Gibt es zu viel Stärke oder Zucker?

  • Sind die Fresspausen zu lang?

  • Wird das Pferd im Alltag ausreichend mit Rohfaser versorgt?

  • Hat das Pferd die Möglichkeit ausreichend zu fressen, oder wird es von der Heuraufe weggejagt? 


Eine individuelle Rationsüberprüfung kann hier sehr hilfreich sein.


3. Stressfaktoren erkennen

Nicht jeder Stress ist sofort sichtbar. Manche Pferde leiden still unter:

  • Unruhe in der Gruppe

  • schlechter Futterplatzsituation

  • fehlenden Rückzugsmöglichkeiten

  • dauerhaftem Schmerz

  • mentaler Überforderung


Je besser die Ursachen erkannt werden, desto gezielter kann unterstützt werden.


4. Training anpassen

Ein empfindlicher Magen kann sich auch auf die Losgelassenheit und Leistungsbereitschaft auswirken. In akuten Phasen sollte das Training an das Pferd angepasst werden. Weniger Druck, mehr Ruhe und ein sinnvoller Trainingsaufbau können helfen.


5. Bewegungsapparat mitdenken

Pferde mit Magenproblemen zeigen nicht selten Verspannungen, Schonhaltungen und Unwohlsein im gesamten Körper. Eine begleitende physiotherapeutische Betrachtung kann sinnvoll sein, um sekundäre Spannungsmuster zu lösen und das allgemeine Wohlbefinden zu unterstützen. Außerdem wirkt sich eine wohltuende Massage auch positiv auf die mentale Gesundheit aus.


Kräuter und Fütterung zur Unterstützung - was ist sinnvoll?

Viele Pferdebesitzer möchten ihr Pferd bei Magenproblemen auch fütterungstechnisch unterstützen. Das kann sinnvoll sein - allerdings nicht als Ersatz für Diagnostik und tierärztliche Therapie, sondern begleitend.

Häufig werden magenfreundliche, schleimhautschützende oder beruhigende Komponenten eingesetzt, zum Beispiel:

  • schleimbildende Komponenten (z.B. Ulmenrinde, Leinsamenschleim)

  • ausgewählte magenfreundliche Kräuter (z.B. Süßholzwurzel - Achtung, Kontraindikation beachten, Eibisch)

  • rohfaserreiche Ergänzungen

  • Getreidefreie Fütterung


Wichtig dabei ist:

Nicht alles, was „natürlich“ ist, ist automatisch passend. Gerade bei empfindlichen Pferden sollte man Ergänzungen gezielt und sinnvoll auswählen. Zu viele verschiedene Produkte gleichzeitig sind oft eher kontraproduktiv.

Sinnvoll ist meist ein Fokus auf:

  • einfache, ruhige Fütterung

  • magenfreundliche Struktur

  • möglichst wenig unnötige Reizfaktoren

  • individuell passende Ergänzungen statt wahlloser Zusätze


Wann solltest du hellhörig werden?

Du solltest Magenprobleme beim Pferd immer mitdenken, wenn dein Pferd:

  • plötzlich empfindlicher oder gereizter wird

  • beim Gurten oder Reiten Abwehr zeigt

  • wiederholt leichte Koliksymptome hat

  • schlecht frisst oder mäkelig wird

  • an Gewicht verliert

  • sich körperlich und mental verändert (Schmerzgesicht)

  • trotz Training und Management nicht richtig „ins Gleichgewicht“ kommt


Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser kann dem Pferd geholfen werden.


Fazit: Magenerkrankungen beim Pferd früh erkennen und ganzheitlich begleiten

Magenerkrankungen beim Pferd sind weit verbreitet und können sich sehr unterschiedlich zeigen. Pferde sind besonders anfällig, weil ihr Verdauungssystem auf eine nahezu kontinuierliche Futteraufnahme ausgelegt ist. Lange Fresspausen, Stress, ungeeignete Fütterung und Schmerzen können die Entstehung von

Magenentzündungen und Magengeschwüren beim Pferd begünstigen.

Für Pferdebesitzer bedeutet das: genau hinschauen, Symptome ernst nehmen und nicht nur die schulmedizinische Therapie, sondern auch Haltung, Fütterung und Alltagsmanagement in den Blick nehmen. Denn genau dort liegt oft der entscheidende Hebel.

Ein magenfreundliches Umfeld, ausreichend Raufutter, möglichst wenig Stress und eine passende Unterstützung im Alltag können einen großen Unterschied machen.

 
 
 

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